Gegen 07:00 Uhr erreichen wir die kleine Pier vor Kirkwall auf den Orkneys. Der Wind bläst auflandig und drückt uns mit über 20 Knoten kräftig in Richtung Anleger. Das macht das Anlegemanöver zu einer kleinen Herausforderung. Ein Hafenschlepper kommt zur Unterstützung und mit einer Portion Geduld, einigen eleganten Manövern und viel Fingerspitzengefühl der Brückencrew liegt die HANSEATIC nature schließlich sicher vertäut vor Kirkwall.
Doch bevor wir an Land dürfen, heißt es zunächst: Behörden an Bord. Das Schiff wird einklariert, Gäste ebenso. Für die Zahlmeisterin bedeutet das einen langen Tag voller Formulare, Stempel und Papierkram. Für uns Gäste läuft der Prozess dagegen unkompliziert ab. Beim sogenannten Face Check im HanseAtrium wurde kurz das Gesicht mit dem Pass abgeglichen, und nach wenigen Augenblicken war die Formalität erledigt. Dann gab es endlich grünes Licht: Das Schiff ist offiziell freigegeben und unser Landgang in Kirkwall kann endlich beginnen. Es sei bemerkt, dass weder von Schiffsseite noch von Seiten der britischen Behörden jemand nach dem genehmigten ETA-Antrag gefragt hat.
Kirkwall, die kleine Hauptstadt der Orkney-Inseln, begrüßt uns mit typisch schottischem Wetter, maritimen Charme und einer Mischung aus Geschichte und lebendigem Alltag. Rund 9.000 Menschen leben hier, was Kirkwall zu einer der größten Siedlungen der Inselgruppe macht – und doch wirkt alles überschaubar und freundlich. Wir stellen sehr schnell fest, dass sich seit unserem letzten Besuch vor 9 Jahren nicht sehr viel verändert hat.
Das Herz der Stadt ist die St.-Magnus-Kathedrale, ein imposantes Bauwerk aus rotem Sandstein, das bereits im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Sie gilt als „Licht des Nordens“ und ist eng mit der wechselvollen Geschichte der Orkneys verbunden. Von hier aus erreicht man die Einkaufsstraßen Albert und Bridge Street mit ihren vielen kleinen netten Shops, Cafe's und Boutiquen.
Die meisten hatten zu der frühen Stunde aber noch geschlossen. Das Leben erwacht hier nach der Hauptsaison erst gegen 10:00 Uhr. Die knapp bemessene Zeit für unseren Landgang führte damit auch zu einer Konzentration von einkaufswilligen „Seefahrern“ in den wenigen bereits geöffneten Läden. Ein paar Erinnerungsfotos noch am Hafen, das war es dann auch schon. Der letzte Shuttle zum Schiff fuhr um 11:30 Uhr, Abfahrt war für 12:30 Uhr gesetzt.
Das Ablegen gestaltete sich aufgrund des starken Windes etwas schwierig. Doch mit Hilfe eines Schleppers am Heck und dem starken Bugstrahler konnte auch dieses komplizierte Manöver ohne Probleme abgeschlossen werden.
Kaum ragte der Bug allerdings aus dem geschützten Hafen, gab es auch gleich einen kleinen Vorgeschmack auf den weiteren Verlauf des Tages. Der Schwell, wie der Kapitän es nennt, lag bei gut 4 Metern von achtern, was das Ganze zumindest etwas erträglicher machte. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich in den knapp 3 Wochen an diese See-Bedingungen gewöhnt hat. Ruhige See hatten wir während der ganzen Reise fast nie, doch es hat UNS zumindest nichts ausgemacht. Abgesehen davon, dass man manchmal etwas wackelig gelaufen ist bei der Schaukelei. Das wird sich so wie es aussieht auch für die letzten 1,5 Tage auf dem Weg nach Hamburg nicht mehr ändern.
Am Nachmittag gab es für uns mit der Besichtigung des Maschinenraums noch ein kleines Highlight. Der Chief Engineering höchstpersönlich gab sich die Ehre und stellte uns sein „Baby“,wie er es nannte, im Detail vor. Zunächst bekamen wir im Kontrollraum ein wenig technische Hintergrundinformationen, dann folgte ein Rundgang treppauf/treppab durch die verschiedenen Bereiche des Maschinenraums. Beeindruckend nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf die Arbeitsbedingungen der Crew hier unten. Es ist in den meisten Bereichen sehr heiß und vor allem seeeehhhr laut!!!. Ohne Gehörschutz nicht auszuhalten. Trotzdem war es sehr interessant und lehrreich!!
Der 15.09. ist unser Hochzeitstag und den haben wir mit einem fantastischen Abendessen im Spezialitätenrestaurant „Hamptons“ gekrönt. Wir wurden sehr verwöhnt, denn die Service-Crew wusste natürlich von unserem besonderen Tag. Nicht nur das, eine weitere Überraschung gab es, als wir am späten Abend zurück auf unsere Kabine kamen, denn auch die Schiffsleitung liess es sich nicht nehmen zu gratulieren.
