Der Vega Sund verbindet den König-Oscar-Fjord im Osten mit der offenen Weite der Grönlandsee im Westen und bildet so ein natürliches Tor zwischen geschützten Fjordsystemen und dem Nordatlantik.Obwohl die Region heute unbewohnt ist, hat sie eine lange Tradition als Forschungsgebiet. Bereits Expeditionen im 19. und frühen 20. Jahrhundert passierten den Vega Sund, um die Geologie, das Klima und die Tierwelt Ostgrönlands zu studieren. Auch für die Klimaforschung ist der Sund interessant. Durch die Beobachtung der Gletscher und ihrer Rückzugsbewegungen können Rückschlüsse auf den Einfluss des Klimawandels gezogen werden. Die Region zeigt besonders deutlich, wie sensibel arktische Ökosysteme auf Temperatur- und Niederschlagsänderungen reagieren.
Unsere Nacht war heute bereits sehr früh zu Ende, denn wir waren die Gruppe, die heute um 6:30 Uhr als Erste in die Boote musste. Der Einstieg in die Zodiacs war - um es vorsichtig auszudrücken - ein kleines Abenteuer, denn was uns auf der Überfahrt nach Island erwartet, zeigte bereits hier die ersten Spuren. Doch die Crew am Sidegate versteht ihr Handwerk und hat uns sicher und heil in die Zodiacs gebracht. Bilder gibt es leider keine davon, denn wir brauchen beide Hände/Arme für den sogenannten „Unterarmgriff“, mit dem die Crew uns beim Einsteigen in die Boote unterstützt und absichert. Die Aussage der Zodiac-Fahrerin „Sie werden auf jeden Fall nass“ war Anlass genug, Kamera und Handy’s wassergeschützt verstaut zu lassen. Es gab zwei satte „Duschen“ für mich, denn ich hatte den „Platz an der Sonne“ ganz vorne im Boot. Zum Glück haben Parka und Spritzwasserhose das Schlimmste abgehalten.
Nach der kurzen Einweisung durch Expertin Sarah bei der Ankunft an Land konnten wir losziehen und uns innerhalb eines durch 7 (!!) Eisbär-Wächter abgegrenzten Gebiets frei bewegen. Auch hier hat uns die Natur der Tundra trotz der frühen Stunde wieder in ihren Bann gezogen. Die Ausblicke auf den von hohen, steil aufragenden Bergen eingerahmten Sund werden nie langweilig. Man hat die Entstehungsgeschichte unseres Planeten direkt vor Augen.
Der Vega Sund in Ostgrönland war leider unsere letzte Station im arktischen Fjordland. Am späten Vormittag hieß es Abschied nehmen von Grönland. Die Crew versammelte sich auf dem „Nature Walk“ um die traditionellen Crew-Fotos zum Ende der Arktisreisen aufzunehmen.
Kurz danach hielt der Kapitän seine letzte „Morgenpredigt“ in der Arktis für diese Saison. Leider enthielt sie, was die Überfahrt nach Island anging, keine guten Nachrichten. Etwas nördlich von uns entwickelt sich ein starkes Sturmsystem mit zu erwartenden Wellenhöhen bis zu 10 Metern und Windstärke 9-10. Es bleibt uns nur, mit Vollgas vor dem Sturm zu flüchten und hoffen, dass er uns nicht einholt. Ob das geklappt hat berichten wir morgen!!! Vorsichtshalber wurden auf den Fluren aber schonmal die ersten Vorkehrungen getroffen.

Diese Region hat nachhaltigen Eindruck auf uns hinterlassen. Möge der liebe Gott verhindern, das die Übernahmeaktivitäten von der anderen Seite des Atlantiks jemals Wirklichkeit werden. Denn sie werden es ausrauben und diese in Milliarden von Jahren entstandene Schönheit ohne Zögern aus Profitgier zerstören.
Am Abend stand das Event „Offiziere Shaken“ an, bei dem von den Offizieren des Schiffes diverse Drinks von Tonic Port über Caipiriñha bis Sex on the Beach gemixt werden. Die 6-köpfige Crew Band drehte gleichzeitig die Verstärker auf, und so wurde bis Mitternacht nicht nur getrunken, sondern auch, von heftigen Seegang unterstützt, kräftig das Tanzbein geschwungen. Ein wirklich gelungener Abend.
