
Offen gestanden haben wir uns schon gefragt, warum Explora
Journeys ausgerechnet dieses kleine Eiland anfährt. Bei einer
Karibikkreuzfahrt ist man eher auf schöne Strände, nette
Anlaufhäfen und eine vorhandene touristische Infrastruktur
gepolt. Das Alles hat Montserrat nicht zu bieten.
Montserrat ist
eine kleine außergewöhnliche Insel vulkanischen Ursprungs in
der Karibik und gehört zu den Britischen Überseegebieten. Sie
liegt in den Kleinen Antillen, südlich von Antigua und westlich
von Guadeloupe und hat nur rund 5.000 Einwohner.

Doch diese kleine Insel hat eine besondere Geschichte seit dem
18. Juli 1995.
Zum besseren Verständnis im Folgenden ein kleiner Abriss über
Montserrat, dem was passiert ist und was die Insel heute für
Touristen langsam wieder interessant macht.
Am 18. Juli 1995 wird die kleine Stadt Plymouth, Hauptort von Montserrat, unsanft aus dem Schlaf gerüttelt. Nach 400 Jahren speit der Vulkan La Soufriere, der im Rücken zur Hafenstadt liegt, Asche und Rauch.
Die folgenden Wochen nach dem Juli 1995 werden für die damals
noch 11.000 Bewohner der Insel zu einem Albtraum. Am 21. August
spuckt der Vulkan wiederum riesige Aschemengen aus.
Am 17. September stürzt dann der halbe 920 Meter hohe Berg auf
einer Seite in sich zusammen. Die Verwüstung ist gewaltig. Dort
wo der Vulkan alles zerstört hat, lag die Kornkammer der Insel.
Hier wuchsen Obst und Gemüse und ein üppiger Regenwald, der für
einen optimalen Wasserkreislauf sorgte. Zudem lieferten die
Berge hochwertiges Trinkwasser aus kühlen Quellen.
Die frühere Hauptstadt Plymouth musste aufgegeben werden und
gilt heute als Geisterstadt. Von der einstigen Hauptstadt ist
fast nichts mehr übrig geblieben. Heftige Regenfälle
verwandelten die Asche zu Schlammlawinen, die wie eine
dickflüssige, tödliche Masse alles überrollten. Die meisten
Häuser sind auch heute noch meterhoch von Asche bedeckt. Die
Hitze der Sonne hat sie zu einer steinharten Schicht
verwandelt.
Aufgrund des Vulkanausbruchs sind zwei Drittel der Insel und
ein Umkreis von zehn Seemeilen um den südlichen Teil der Insel
als Sperrgebiet ausgewiesen.
Wenn es die vulkanische Aktivität zulässt, werden Führungen in
das Sperrgebiet der Insel angeboten. Dafür muss man sich in
einem Besucherzentrum registrieren lassen und 5 USD als
"Eintritt" zahlen.
Dieses Angebot haben wir genutzt und sind mit einem
pensionierten Police Officer mit Namen Albert Williams durch
den Regenwald der Insel zu festgelegten Aussichtspunkten
hinaufgefahren. Wenn man sich im Vorfeld mit dieser
"Geschichte" befasst, bekommt der Blick auf die verschüttete
Stadt Plymouth und den abgeschrägten Vulkankegel fast etwas
Angst einflößendes.
Während der ganzen Rundfahrt hat uns Albert stolz von der
Entwicklung der Insel seit dieser Zeit erzählt. Knapp 7.000
Menschen haben Montserrat nach dem Unglück verlassen. Die
restlichen 3.000 haben im Norden die neue Hauptstadt Brades
gebaut. Mit größter Anstrengung haben sie aus ihrem Inselchen
wieder ein kleines Paradies geschaffen.
Inzwischen kommen wieder Touristen nach Montserrat, sei es als
Kreuzfahrer, als Backpacker oder Menschen, die in einem ruhigen
Kurzurlaub wieder Kraft tanken wollen.
Am Pier in Little Bay wurden wir von mehreren Pelikanen und einem Silberreiher verabschiedet. Morgen kommen wir zu unserem letzten Stop nach Saint John, der kleinsten der 3 Amerikanischen Jungferninseln (US-VI).
