
Die Nacht war bereits etwas schaukelig. Während des Frühstücks lud uns der Kapitän zu einer kurzen Informationsrunde zum Wetter der nächsten Tage in’s HanseAtrium auf Deck 4 ein. Bereits da schwante uns bereits “Böses” und unsere Ahnung hat sich dann auch schnell bestätigt.
Dass es bei Expeditionsreisen immer wieder mal zu Änderungen der Route kommt, liegt in der Natur der Sache und ist für uns auch nichts Neues. Doch die vorgestellten Wetterkarten des Kapitäns zeigen deutlich, was uns in den nächsten 3-4 Tagen erwartet. Das heißt, ES WIRD UNGEMÜTLICH!! Es werden Wellenhöhen zwischen 6 und 8 Metern erwartet, die in der Spitze sogar bis 15 Meter(!!) gehen können. Es sei bemerkt, die Brücke auf Deck 7 liegt 13 Meter über der Wasserlinie.
Eigentlich sollten wir am morgigen Samstag gegen 7:00 Uhr morgens Bergen und am Sonntag Alesund erreichen. Dazu hätten wir aber den direkten Weg außerhalb der Schären übers offene Meer fahren müssen. Das ist bei dem aufkommenden Orkan aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Daher folgende Routenänderung: Wir "dampfen" so schnell wie möglich auf direktem Weg auf die norwegische Küste zu nach Stavanger, um in den Schutz der Inside Passage zu kommen. Dort wollen wir morgen früh um ca. 4:00 Uhr ankommen. Stavanger war eigentlich geplant als das letzte Ziel dieser Reise. Über Nacht geht es dann innerhalb der Inside Passage im Schutz der Schäreninseln weiter nach Bergen. Dort werden wir voraussichtlich 2 Tage bis Montagabend bleiben. Damit fällt der Stop in Ålesund aus.
Wie es von Bergen aus weitergeht ist momentan noch völlig offen. Das hängt von der Entwicklung und Dauer des Orkans ab. Wir müssen für die Weiterfahrt nach Norden von Bergen aus für einige Zeit aus der Inside Passage heraus auf’s offene Meer. Das ist bei Windgeschwindigkeiten zwischen 80 - 120km/h und einem Seegang mit bis zu 10 Metern im Schnitt laut Kapitän schon aus sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich. Somit heißt es zunächst einmal abwarten. Stand heute ist nicht einmal klar, bis wohin unsere Reise überhaupt führen wird. Sowohl hinter Tromsø als auch dem Nordkap stehen momentan große Fragezeichen.
Trotzdem wurden wir aber wie geplant polarmäßig eingekleidet. Im Laufe des Vormittags wurde das Wetter wie erwartet und vorhergesagt immer schlechter.. Der Pool wurde vorsichtshalber abgelassen und draußen alles was nicht niet-und nagelfest ist sturmsicher verzurrt.
Mittlerweile befinden wir uns kurz vor Stavanger. Draussen toben nach wie vor Wind und Wellen und wir sind heilfroh, wenn wir endlich gegen 4:00 Uhr morgen früh dort festgemacht haben. Unsere Seefestigkeit wird echt bis an die Grenzen getestet. Uns ist zwar immer wieder etwas plümerant, doch noch behalten wir alles bei uns, was man wahrlich nicht von allen Passagieren behaupten kann. Wir hatten definitiv schon schönere Tage auf einer Expeditionskreuzfahrt.
Morgen haben wir dann einen ganzen Tag an Land. Da schaukelt es zwar nicht, doch es soll sehr nass, kalt und stürmisch werden. Um 22:00 Uhr legen wir wieder ab und gehen auf "Schleichfahrt" zwischen den Inseln der Inside Passage in Richtung Bergen. Aber vorher erst einmal einen Tag erholen!!!
