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Tag 13, Honiara + Roderick Bay

Noch schnell ein Rückblick auf gestern Abend. Wir hatten zum zweiten Mal eine Reservierung im Spezialitätenrestaurant Nikkei und es war wieder fantastisch. Hier eine kleine Auswahl:

 

Jetzt zu unserem heutigen Ziel ein paar Fakten, die größtenteils den Hafeninformationen von HLC entnommen sind:

Honiara, die Hauptstadt der Salomon-Inseln liegt auf der Nordküste der Insel Guadalcanal und ist das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des Inselstaates. Mit rund 90.000 Einwohnern ist sie nicht nur die größte Stadt des Landes, sondern auch dessen wichtigster Hafen und Verkehrsknotenpunkt. Trotz ihres vergleichsweise jungen Alters - Honiara wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg zur Hauptstadt ernannt - besitzt die Stadt eine faszinierende Mischung aus kolonialer Geschichte, tropischer Lebensfreude und lebendiger kultureller Vielfalt.

Ursprünglich war die Hauptstadt der Salomon-Inseln Tulagi, eine kleine Insel in der Florida-Gruppe. Doch nach der Zerstörung Tulagis im Zweiten Weltkrieg entschied. die britische Kolonialverwaltung, die Hauptstadt auf Guadalcanal zu verlegen, wo während des Krieges bereits eine amerikanische Militärbasis existierte. 1952 wurde Honiara offiziell Hauptstadt des britischen Protektorats der Salomon-Inseln. Die Stadt entwickelte sich seither rasch - wenn auch oft ungleichmäßig - zu einem urbanen Zentrum, das bis heute sowohl von traditionellen Lebensweisen als auch vom Einfluss der Globalisierung geprägt ist.

Honiara erstreckt sich entlang der Küste, zwischen der „Iron Bottom Sound“, einem Meeresabschnitt, der wegen der vielen dort versunkenen Kriegsschiffe so genannt wird - und den bewaldeten Hügeln des Inselinneren.

Ein wichtiger Teil der Geschichte Honiaras ist der Zweite Weltkrieg. Die Schlacht um Guadalcanal (1942-1943) war eine der entscheidenden Auseinandersetzungen zwischen Amerika und Japan im Pazifikkrieg. Noch heute sind überall in der Umgebung Relikte aus dieser Zeit zu finden, wie z.B. abgestürzte Flugzeuge, Panzerwracks und Kriegsdenkmäler. Besonders bekannt ist das American War Memorial auf dem Skyline Ridge, das einen weiten Blick über die Stadt und das Meer bietet.

Das Stadtbild ist geprägt von einem Mix aus einfachen Wohnhäusern, modernen Verwaltungsgebäuden, geschäftigen Märkten und tropischer Vegetation. Die Atmosphäre ist lebendig, aber auch chaotisch - Honiara wächst schneller, als die Infrastruktur mithalten kann. Stromausfälle, Verkehrsstaus und Wassermangel gehören zum Alltag der Bewohner.

Trotz dieser Herausforderungen bietet Honiara viele interessante Orte und kulturelle Einblicke. Der Central Market ist einer der wichtigsten Treffpunkte der Stadt: Hier verkaufen Bauern und Fischer aus der Umgebung frisches Obst, Gemüse, Fisch und traditionelle Handwerksprodukte. Der Markt ist nicht nur ein Ort des Handels, sondern auch ein soziales Zentrum, an dem sich Menschen aus allen Teilen des Landes begegnen.

Soweit die Beschreibung von HLC.

 

Das erste Fragezeichen tauchte bei uns schon beim Anlegen auf. Der erste Eindruck als wir an der Pier festgemacht haben wirkte nicht unbedingt faszinierend. Der Blick fiel auf eine große Containerwand, die den Blick auf die Stadt versperrte.

Wir hatten über HLC einen Ausflug gebucht, der uns die Stadt etwas näher bringen sollte. Der Minibus entsprach, wie von HLC angekündigt, dem hiesigen Standard. Zum Glück waren die Springfedern des Sitzes noch nicht durch die Sitzfläche gedrungen. Was beim Zustand der meisten Straßen schon ein kleines Wunder ist. Der Werbespruch an der Einstiegstür entsprach wohl eher dem Wunschdenken der Busfirma.

 

In der Beschreibung des Ausflugs wurde der Central Markt als ein besonderes Highlightbeschrieben. Allerdings ist der Markt an Sonntagen geschlossen. Und heute ist Sonntag!!!Da stellt sich schon die Frage, warum HLC den Markt neben anderen Sehenswürdigkeiten als DAS Highlight des Ausfluges anpreist?? Es war ja gemäß der Routenplanung klar, dass wir an einem Sonntag in Honaria ankommen würden.

Aber vielleicht war es auch gut so, denn bei der Vorbeifahrt türmte sich rund um den Markt Berge von Müll und Dreck. Da will man garnicht wissen, wie das wohl im Inneren aussieht.

Die Stadt ist speziell im Zentrumsbereich extrem schmutzig. Plastikflaschen, Dosen und anderweitiger Müll werden offensichtlich einfach von den Wohnhäusern auf die Straße geworfen. Das ändert sich auch in den Randbezirken der Stadt nur marginal.

 

Der Ausflug führte uns unter anderem auch zum Nationalen Kunstmuseum, in dem es einiges über das hiesige Kunsthandwerk zu sehen und zu lernen gab. Natürlich gab es auch sogenannte Gift Shops = Souvenirgeschäfte, die nach der Führung auch ordentlichen Zulauf hatten.

 

Ein weiterer Stop brachte uns zu einem staatlichen Internat mit verschiedene Schulen. Dort wurden uns von Schülern lokale Tänze vorgeführt. Hier konnten wir auch Überbleibsel von abgestürzten Flugzeuge, Panzerwracks und Kanonen aus dem 2. Weltkrieg „besichtigen“.

 

Übrigens: Auf den Salomonen gibt es Kinder mit dunkler Haut und natürlich blondem Haar - ein Anblick, der auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Tatsächlich tragen etwa 5-10 % der Bevölkerung diese besondere Haarfarbe. Lange Zeit wurde vermutet, dass europäische Einflüsse dahinterstecken, doch die Wissenschaft hat gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. Verantwortlich ist vielmehr eine seltene genetische Variante im TYRP1-Gen, die ausschließlich in dieser Region vorkommt. Dieses Phänomen ist besonders spannend, da sich die blonde Haarfarbe hier völlig unabhängig von Europa entwickelt hat - ein beeindruckendes Beispiel für die Vielfalt und Eigenständigkeit menschlicher Genetik, sagt der Ethnologie-Experte.

 

Auf der Rückfahrt zu unserem Stop am American War Memorial und dem National Parlament passierten wir noch das erstaunlich moderne Fußballstadion. Anschließend wurde es auch schon Zeit zum Schiff zurückzukehren, denn für den Nachmittag war noch ein besonderer Zodiac-Ausflug in Roderick Bay geplant.

 

Roderick Bay

Ablegen war heute Mittag nicht ganz so einfach, denn die bordeigene Gangway ließ sich nicht an/in ihren vorgesehenen Platz auf der Steuerbordseite direkt unter Deck 9 einfahren. Nach kurzer Verzögerung war das Problem dann gelöst und wir konnte mit 3x Tuten den Hafen von Honiara verlassen.

Zum Mittagessen wurde der gestern in Santa Ana frisch eingekaufte Red Snapper als „Special“ angeboten. Er sah zwar gut aus, aber trotzdem ist nicht so ganz unser Ding. Vor allem dann nicht, wenn er so traurig guckt.

Für uns stand am Nachmittag ein besonderes, sehr interessantes Erlebnis auf dem Programm. Die Besichtigung des Wracks eines Expeditionskreuzfahrtschiffs von den Zodiacs aus. Hört sich zunächst etwas makaber an, wenn man gerade selber Passagier eines solchen ist. Doch es war eine äußerst beeindruckende Zodiac-Fahrt der besonderen Art. Schon die Anfahrt zur Roderick Bay war ein visuelles Erlebnis. Wäre es nicht so warm und schwül gewesen, hätte man sich auch in der norwegische Fjordlandschaft befinden können.

Die Hanseatic Inspiration ging etwas außerhalb der Bucht vor Anker. Aus der Entfernung sah das Wrack fast wie ein aus dem Wasser wachsender Wald aus. Im Nu wurden die Zodiacs abgelassen und die Passagiere nach Farbgruppen aufgerufen, zum SideGate zu kommen.

Die Geschichte in Kurzform:

Die MS World Discoverer war ein deutsches Expeditionskreuzfahrtschiff, gebaut 1974 in Bremerhaven. Sie war bekannt für Fahrten in abgelegene Regionen wie Arktis, Antarktis und Südpazifik. Am 29. April 2000 um 05:00 UTC lief die World Discoverer mit 192 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord in der Sandfly-Passage nördlich von Honiara, der Hauptstadt der Salomonen, auf ein damals unkartiertes Riff und schlitzte die Steuerbordseite auf. EinePassagierfähre kam zur Rettung und konnte alle Passagiere unversehrt in Sicherheit bringen.

Nachdem das Schiff recht schnell 20 Grad Schlagseite hatte, brachte der Kapitän es in die 1,4 Seemeilen weiter südlich liegende Roderick Bay, und setzte es dort auf Grund. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. Spätere Bergungsversuche scheiterten. Seitdem liegt das Wrack in der Roderick Bay auf den Florida Islands und ist zu einer kuriosen Sehenswürdigkeit geworden. Ein rostiges, von Korallen umwachsendes Denkmal vergangener Entdeckerzeiten und ein eindrucksvolles Zeugnis der Kraft von Mutter, denn aus den rostigen Aufbauten wachsen in der Zwischenzeit große grüne Bäume und Büsche.

Durch die Zodiacs bot sich uns ein ganz besonderes Bild von der Szenerie, denn wir konnten direkt an das Wrack heran und es komplett umrunden. Ein kleines Abenteuer, das wir auch nicht so schnell vergessen werden.

Bei unserer Rückkehr war das Schiff von Kanus der Einheimischen regelrecht umlagert. Selbst am SideGate hatten sie sich, trotz verzweifelten Versuchen der Crew dieses freizuhalten, versammelt.

Unser nächster Stop morgen ist Gizo auf Ghizo Island.