Heute war mal wieder so einTag mit 2 Anlandungen, den man getrost mit „Stress pur“ bezeichnen könnte. Bereits um 7 Uhr erreichten wir unseren Ankerplatz vor der kleinen Insel Pirumeri. Ab etwa 8 Uhr wurden schon die ersten Farbgruppen für die Überfahrt mit den Zodiacs ans SideGate auf Deck 3 gebeten. Zumindest für die ersten Gruppen bedeutete das ein sehr frühes Frühstück.
Doch bevor wir zu unserem Besuch kommen ein paar Info's über die Insel und das Dorf sowie die nicht gerade schönen Begleitumstände.
Pirumeri Island ist eine kleine bewohnte Insel im Archipel der Shortland-Inseln in der Western Province der Salomonen. Das Dorf im Herzen der Insel besteht aus einfachen Häusern, die traditionell aus Holz, Palmwedeldächern und natürlichen Materialien gebaut sind. Die Dorfgemeinschaft lebt eng miteinander verbunden, das tägliche Leben ist geprägt von Fischerei, kleinen Gärten und einem Alltag im Einklang mit der Natur. Als Besucher schätzt man besonders die entspannte Atmosphäre, das klare Wasser und die Freundlichkeit der Menschen mit ihre Kultur, ihren Geschichten und nicht zuletzt ihren Riten und Traditionen.
Diese Idylle wurde in den letzten Tagen jedoch empfindlich gestört. Der Zyklon Maila, ein verheerender tropischer Wirbelsturm, der zeitweise die höchste Kategorie 5 erreichte, zog über die Western Province und somit direkt über Pirumeri Island hinweg und hinterließ deutliche Spuren. Starke Winde hatten Dächer von den Häusern gerissen oder diese sogar total zerstört, während sintflutartige Regenfälle Wege überschwemmten und Teile des Dorfes unter Wasser setzten. Einige der kleinen Boote, die für die Versorgung und den Fischfang unverzichtbar sind, wurden beschädigt oder an die Küste gespült. Auch viele der Palmen, die das Landschaftsbild prägen, waren unter der Gewalt des Sturms umgeknickt wie Streichhölzer. Für die Familien, deren Häuser oder Hütten vom Zyklon zerstört wurden, hat man improvisierte Unterkünfte errichtet, und gemeinsam arbeitet man daran, die wichtigsten Strukturen des Dorfes wiederherzustellen.
Für die Bewohner des Dorfes bedeutet der Sturm aber nicht nur einen materiellen Verlust, sondern auch eine große Herausforderung in ihrem Alltag. Dennoch zeigt sich in dieser schwierigen Situation der starke Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. Nachbarn helfen einander beim Aufräumen, sichern beschädigte Gebäude und teilen die noch vorhandenen Ressourcen.
Es war lange nicht klar, ob wir das Dorf überhaupt erreichen
können. Und wenn ja, können wir den Bewohnern in dieser
Situation unseren Besuch überhaupt zumuten?
Doch die Nachricht ,die Kapitän und Expeditionsleitung aus dem
Dorf erhielten, war sehr eindeutig. Sie würden sich sehr
freuen, wenn wir den Weg zu ihnen finden und wir wären sehr
willkommen. Sie wollen es sich auch nicht nehmen lassen, uns
mit den traditionellen Willkommens-Tänzen und Gesang zu
begrüßen, so wie sie es für JEDEN anderen Besucher auch machen.
Denn allzu häufig kommt in dieser abgelegenen Gegend kein
Kreuzfahrtschiff vorbei.
Jetzt zu unserem Besuch:
An der Insel angekommen, wurden wir mit einem sogenannten "Warrior Welcome" begrüßt. Junge Männer in traditioneller Kriegertracht – geschmückt mit Farnen, Körperbemalung und Speeren – stürmten unter lautem Geschrei an das Ufer. Dies ist ein rituelles „Herausfordern“ der Fremden, das in einer herzlichen Einladung mündete, Mit einem breiten Grinsen drehten sie sich anschließend um und gingen wieder auf ihre Position zurück, dazu bereit, auch die Insassen des nächsten Zodiacs entsprechend zu empfangen. Diese Begrüßung wurde jedem ankommenden Boot zuteil.
Auf dem Weg zum Zeremonie-Platz bekamen wir bereits einen Eindruck von den Schäden, die der Zyklon angerichtet hatte. Stolz wurde uns die Kirche präsentiert, die zum Glück unbeschädigt geblieben war. Am Zeremonie-Platz waren für uns bereits Bänken im Schatten aufgestellt.
Bis zum Beginn der offiziellen Begrüßung erleben wir dort eine herzliche Willkommenszeremonie, die uns sofort in ihren Bann zieht. Die Luft ist erfüllt von rhythmischen Trommelklängen und dem Gesang eines wunderbaren Chores. Es ist einfach nur erstaunlich, was für tolle Musik aus ein paar PVC-Rohren unterschiedlicher Länge gezaubert werden kann. Gespielt wird dieses Percussion-Set mit alten Flip-Flops. In einem Gespräch mit einem der Dorfältesten erfuhr Marion, dass Band und Chor jeden Tag zusammen proben. Unfassbar!!!!
Die eigentliche Zeremonie begann mit einem Willkommenstanz, gefolgt von der offiziellen Begrüßung durch den "Chief" des Dorfes. An seiner Seite zwei traditionell gekleidete "Krieger", die Dorfältesten und ein Dolmetscher, denn der Chief spricht kein Englisch.

Im Anschluss führten uns die Einheimischen voller Stolz durch
ihren Ort und gaben uns einen kleinen Einblick in ihr tägliches
Leben. Dabei wurde uns noch einmal vor Augen geführt, welches
Desaster der Zyklon hinterlassen hat.
Praktische Hilfe für den Neuaufbau konnte von Seiten des
Schiffes aufgrund der Kürze der Zeit natürlich nicht angeboten
werden, denn unser Besuch dauerte nur bis zur Mittagszeit. Aber
ein Spendenaufruf unseres Expeditionsleiters zeigte unmittelbar
Wirkung und es kamen über 1.800 US-Dollar durch Spenden der
Passagiere zusammen. Das Geld wurde gleich am nächsten Tag auf
ein spezielles Konto bei einer Bank in der Hauptstadt der
Salomonen, Honiara, überwiesen.
Hier und da kamen wir während des Rundgangs auch in Kontakt mit den Einheimischen. Wenige sprachen Englisch, doch mit einem Lächeln und viel Gestik kam eine gewisse Verständigung zustande. Es ist immer wieder überraschend wie offen und freundlich diese Menschen uns Fremden gegenüber waren. Das gilt übrigens für alle Inseln, die wir besucht haben, wenn wir Kontakt zu der Einheimischen Bevölkerung bekamen.
Mit sehr gemischten Gefühlen ging es am Mittag dann wieder zurück in unsere "heile Welt" auf dem Schiff.
Nach einer kurzen Pause an Bord der HANSEATIC inspiration setzen wir am Nachmittag zu unserer zweiten Anlandung zur Insel Onua über.
Onua Island ist eine kleine, unbewohnte Insel unweit von
Pirumeri Island und ein echtes Naturparadies. Fernab jeglicher
Siedlungen präsentiert sie sich in ihrer ursprünglichsten Form
- mit feinem Sandstrand, weißem kristallklarem Wasser und
dichter tropischer Vegetation. Hohe Kokospalmen säumen die
Küste und spenden angenehmen Schatten, während das ruhige
Rauschen des Meeres die besondere Atmosphäre dieses Ortes
unterstreicht.
Ob die Insel aber tatsächlich unbewohnt ist sei mal dahin gestellt. Irgend jemand muß ja den Willkommensgruß aus Sand "geschrieben" haben.

Wie auch immer, dieser Landgang markierte den nordwestlichsten Punkt unserer gesamten Reise und führte uns in ein echtes Naturparadies. Die Insel ist von einem Korallensaum umgeben, das gute Bedingungen zum Schwimmen im kristallklaren Wasser oder für ausgiebige Schnorchelgänge bietet. Nach den Erlebnissen des Vormittags der perfekte Ort, um die Seele ein wenig baumeln zu lassen.
Es gibt keine Infrastruktur, keine Gebäude und keine festen
Wege. Die Strände wirken nahezu unberührt, und auch die
umliegenden Gewässer laden dazu ein, die faszinierende
Unterwasserwelt beim Schnorcheln zu entdecken. Die Insel ist
ein Juwel für Naturliebhaber und für Expeditionskreuzfahrer,
die hier im Rahmen ihrer spannenden und aber auch anstrengenden Reise einen
entspannten Strandnachmittag verbringen wollen.
Normalerweise kann man die Insel bei einem Strandspaziergang
umrunden. Dieser Spaß blieb uns leider verwehrt, den der Zyklon
hatte den Wasserstand derartig ansteigen lassen, dass die
Brandung der Wellen bis an die Palmen ging und uns bis an die
Brust reichte. Dazu kam eine kräftige Unterströmung, die uns
den Sand unter den Füßen wegspülte und man sofort den Halt
verlor. Manche haben versucht, diese Stellen schwimmend zu
bewältigen, doch die Strömung war zu stark und man wurde direkt
weggetrieben.
Wir haben uns dann für die sichere Variante entschieden und das
30° warme, kristallklare Wasser in der Nähe der Anlandestelle
genossen.
Zum Abendessen hatten die Restaurants heute Pause. Auf dem Programm stand das BBQ auf dem Pooldeck. Unter dem Motto "Genießen Sie einen entspannten Abend unter freiem Himmel mit einer Auswahl köstlicher Grillspezialitäten und erfrischenden Getränken" wurden wir von der Küchencrew kulinarisch verwöhnt. Anschließend wurde zur Musik von DJ "Sunshine" - eigentlich Robert, der Schiffszimmermann - noch ein wenig das Tanzbein geschwungen. Unsere beiden Damen haben ordentlich gezappelt, sodaß der Autofokus der Kamera etwas überfordert war😉😉.
Morgen wird es etwas weniger anstrengend, denn wir erreichen zum Einen unser nächstes Ziel erst gegen Mittag, zum Anderen gibt es eine Zodiac Cruise. Lassen wir uns überraschen..
