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Tag 16, Russel Islands

Der wichtigste Tagesordnungspunkt von Expeditionskreuzfahrten ist das sogenannte PreCap, was jeweils am Vortag zumeist vor dem Abendessen stattfindet. Darin wird vom Expeditionsleiter das nächste Ziel unserer Reise sowie die dort geplanten Aktivitäten vorgestellt. Gestern waren das die Info's zu den Planungen für unsere Zodiac Cruise bei den Russel Islands.

 

Die Russell Islands gehören zu den weniger bekannten, aber landschaftlich eindrucksvollen Inselgruppen im Pazifik. Sie liegen nordwestlich von Guadalcanal, der Hauptinsel der Salomonen. Sie bilden ein weit verzweigtes Archipel aus dicht bewaldeten Inseln, türkisfarbenen Lagunen und geschützten Buchten. 
Für Expeditionsreisende wie uns bieten sie genau das, was man sich von einem abgelegenen Südseeziel erhofft: unberührte Natur, eine faszinierende maritime Welt und das Gefühl, fernab der üblichen Routen unterwegs zu sein. Und das am besten mit den wendigen Zodiacs.

 

Schon die Anfahrt mit der Hanseatic Inspiration auf das Archipel der Russel Islands war ein visueller Hochgenuss. Wir haben ihn mit jeder Faser aufgesogen. Denn betrachtet man die Entfernung und die damit verbundene strapaziöse An- und Abreise zum/vom Südpazifik, bekommt man als Mensch unseres Breitengrades einen solch wunderschönen Anblick nicht so häufig, vielleicht sogar nur einmal im Leben in Natura geboten. 
Es begann mit einem traumhaften Regenbogen am frühen Vormittag. Und dann näherten wir uns dem Archipel... aber seht selbst!!!

 

Gegen 13 Uhr erreicht die HANSEATIC inspiration den nördlichen Archipel der Russell Islands, das Gebiet, das wir heute im reinen Expeditionsstil erkunden wollen. Da dieser Stopp eine Premiere für uns darstellt, brach zunächst das sogenannte Scout-Zodiac mit dem Expeditionsteam zu einer ersten Erkundungstour auf, um sowohl die sehenswerten Stellen als auch mögliche Untiefen in den unkartierten Gewässern zu lokalisieren. Trotz dieser professionellen Vorbereitung fordert die Navigation höchste Konzentration von den Zodiac-Führern. 
In unkartierten Lagunen navigieren die Fahrer mit Hilfe der Passagiere vorne im Boot nach Sicht. Dunkles Blau bedeutet tiefes Wasser, helles Türkis mit dunklen Schatten signalisiert geringe Wassertiefe und deuten auf gefährliche Korallenköpfe hin.

Sobald die Zodiacs die Marina des Schiffes verlassen und in das Lagunensystem von Kovilok einfahren, ändert sich die Szenerie schlagartig. Kristallklare Flachwasserzonen: Da die Zodiacs einen extrem geringen Tiefgang haben, steuern die Fahrer sie über leuchtend türkisfarbene Korallengärten hinweg, die nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegen. 

 

Die botanische Welt, welche die Lagunen der Russell Islands umschließt, ist ein hochkomplexes Ökosystem aus Mangroven, Sumpfwäldern und dichtem Tieflandregenwald. Wir hatten heute großes Glück, denn unser Zodiac-Fahrer Benjamin war der Experte für Geographie, Geologie und Meteorologie an Bord. Er ist nicht nur ein routinierter und exzellenter Zodiac-Fahrer, sondern er konnte uns auch viel über das empfindliche Gleichgewicht dieses Mangroven-Ökosystems erzählen, das die Lagunen vor Erosion schützt. 

An den Ufern sieht man oft gewaltigeWürgefeigenbäume, deren Luftwurzeln von den Kronen herabwachsen und im Laufe der Zeit den Wirtsbaum komplett umschließen und regelrecht stranguliert. So stirbt der Wirtsbaum einen langsamen Tod, der Jahre oder auch Jahrzehnte dauern kann. Unterdessen ist das Geflecht der Feige so stabil geworden, dass sie auch ohne Stütze durch den Wirtsbaum bestehen kann. Während dieser stirbt und verrottet, bleibt letztlich nur die hohle Würgefeige übrig.

In der Lagune trifft man gelegentlich auch auf Einheimische in ihren traditionellen Einbaum-Kanus. Auch wir hatten eine solche kurze Begegnung. Kurz mit dem Zodiac etwas näher heran fahren und sicherstellen, dass alles in Ordnung ist und keine Hilfe benötigt wird, ist in so einem Fall eine Selbstverständlichkeit. 

 

So schwer es auch fiel, irgendwann wurde es Zeit zum Schiff zurückzukehren. Diese Zodiac-Cruise wird uns noch lange im Gedächtnis haften bleiben.

 

Als wir am Schiff ankamen war die Marina am Heck geöffnet und die Hanseatic inspiration hatte Besuch von einigen Einheimischen in ihren typischen Einbaum-Kanus bekommen. Manchmal kommt es dabei zu regelrechten Tauschgeschäften.

 

Bei der Rückkehr zum Schiff erfolgt der Ausstieg ganz normal über das Sidegate. Doch da die am Heck befindliche Marina bereits für uns geöffnet war, nahmen viele Passagiere, darunter auch ich, die herzliche Einladung des Kapitäns zum Baden im offenen Meer dankbar an. So eine Chance muss man einfach nutzen, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich so eine Gelegenheit für uns nicht noch einmal bieten. Und wer kann schon von sich sagen, dass er im 30° "kühlen" Wasser des Südpazifiks in der Lagune der Russel Islands im Südpazifik gebadet hat?

Natürlich war auch für die entsprechende Sicherheit gesorgt. Zwei dicke Leinen wurden jeweils an der Backbord- und Steuerbordseite des Schiffes sowie an 2 Zodiacs befestigt. Die Boote fuhren dann 50 Meter weg vom Schiff und schon war der "Swimmingpool" gekennzeichnet.

 

So wie der Tag begann, endete er auch. Bei der Ausfahrt aus dem Archipel zeigte sich vor dem Bug der Hanseatic inspiration ein wunderschöner Regenbogen der sich leuchtend über den Horizont spannte und die Szenerie in ein fast magisches Licht tauchte. Es ist schon ein ganz besonderes Erlebnis durch diese malerische Kulisse hindurchzufahren, für das wir sehr dankbar sind.

Unser nächstes Ziel ist die 102 Seemeilen entfernte Langa Langa Lagoon auf der Insel Malaita.