Auf unserem südliche Kurs zum Prins Christian Sund hatten wir heute morgen etwa die Hälfte der 715 Seemeilen abgeritten. Warum abgeritten? Nun, seit dem späten gestrigen Nachmittag sahen wir uns mit einer typisch grönländischen Wetterlage konfrontiert. Sturm mit Windgeschwindigkeiten zwischen 50-55 Knoten (90-100km/h) direkt auf die Nase, Seegang um die 4-5 Meter, Temperatur bei 3° und reichlich flüssigen Sonnenschein von oben. Die Nacht war für die meisten ziemlich unruhig, denn das Schiff knorzte und knarrte aufgrund der Stampfbewegungen gewaltig. Gut war eigentlich nur, dass Wellen und Wind direkt von vorne kamen. Somit gab es fast keine Rollbewegung, was wiederum für Passagiere mit Neigung zu Seekrankheit ein großer Vorteil ist. Wenn das Schiff in die Wellentäler eintauchte, gingen die Brecher teilweise über den Bug hinaus. Deshalb war auch der sogenannte „Nature Walk“ den ganzen Tag gesperrt. Man sah reichlich Leute, die mit „blasse Nasen“ herumliefen. Für uns ist diese Situation zum Glück kein Thema, denn wir sind ziemlich seefest.
Der große Nachteil ist, dass diese Naturgewalten das Schiff deutlich einbremsen. Damit ist unsere geplante Ankunftszeit von 12:00 Uhr am Mittwoch nicht zu halten, wie uns der Kapitän in seiner täglichen „Morgenpredigt“ mitteilte. Unsere Geschwindigkeit lag nur noch bei 12-13 Knoten, geplant waren eigentlich 19 Knoten, also quasi Vollgas.
Das Wetter änderte sich zum späteren Nachmittag hin zwar zum besseren, doch dann kam die nächste „Hiobsbotschaft“ vom Käpt’n. An einer der beiden Maschinen war eine Leckage aufgetreten und für den Zeitraum der Reparatur stand nur eine Maschine zur Verfügung. Damit war unser heutiger Zeitplan endgültig Makulatur. Doch die Alternativlösung ließ nicht lange auf sich warten.
Die Fahrt durch den Prins Christian Sund wird nun um einen Tag verschoben. Statt dessen fahren wir morgen früh in den Arsukfjord ein, der als eine der landschaftlich reizvollsten Gegenden Westgrönlands gilt. Direkt am Fjord liegt der inzwischen weitgehend verlassene ehemalige Hauptort Ivittuut. In seiner Blütezeit wurde hier bis 1962 Kryolith abgebaut, was als Katalysator in der Aluminiumherstellung Verwendung fand.
Wir werden mit den Zodiacs für einen Ausflug zu einer Besichtigung der ehemaligen „Mine“ und dem Dorf an Land gebracht.
Bilder vom heutigen Tag sind leider Mangelware. Die Ausbeute beschränkt sich auf einen kurzen Besuch auf der Brücke und den tobenden „Naturgewalten“. Morgen wird es sicher wieder etwas umfangreicher.
Und dann lagen wir bereits im Bett, da gab's noch ein überraschendes "Betthupferl", Polarlichter auf beiden Seiten des Schiffes.
