Bevor wir mit dem heutigen Tag beginnen, vielleicht mal eine kurze Erklärung zu der „Logistik“ mit den Zodiac-Gruppen auf den Expeditionsschiffen von Hapag Lloyd Cruises:
Es gibt 2 Zodiac-Gruppen, die aus 4 farblich gekennzeichneten Untergruppen bestehen. Jeder Passagier wird beim Check-in mit einem Farbpunkt auf seiner Bordkarte einer bestimmten Farbgruppe zugeteilt. Diese Farbgruppen werden dann bei den jeweiligen Ausfahrten in einer bestimmten, täglich wechselnden Reihenfolge über Durchsagen aufgerufen, um zum Zodiac an das Sidegate zu kommen. Sowohl die Reihenfolge der beiden Zodiac-Gruppen als auch die Reihenfolge der Farbgruppen wechseln dabei täglich und werden im Tagesprogramm entsprechend aufgeführt.
Heute zum Beispiel hieß es früh aus den Federn zu kommen. Es waren zwei Zodiac-Ausfahrten geplant, die bereits um 6:30 Uhr für die erste Zodiac-Gruppe und um 8:30 für die zweite Zodiac-Gruppe begannen. Wir hatten heute Glück, denn wir waren in der zweiten Zodia-Gruppe, diesmal die letzte Farbgruppe, die aufgerufen wurde. Somit konnten wir etwas länger schlafen und vor der Ausfahrt auch noch in Ruhe frühstücken.
Das Ziel für die erste Ausfahrt am Morgen wird die Insel Ella Ø. Sie liegt im weit verzweigten Kong Oscar Fjord, ist rund 100 qkm groß und von bis zu 2000m hohen Bergen umgeben. Vulkanische Aktivitäten hinterließen dunkle Basalte und kontrastreiche Schichtungen im Gestein, die in Kombination mit hellem Granit und rötlichem Sandstein für eine große Farbvielfalt der Insel sorgen.
Wir hatten 90 Minuten Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang, bei dem uns die Kombination aus karger Felslandschaft und farbenfroher Vegetation sehr beeindruckt hat. Etwas, das wir in dieser klimatisch rauen Gegend nicht erwartet hätten.
Der zweite Ausflug am Nachmittag führte uns zur Blomsterbugten - der Blumenbucht. Obwohl nicht weit von Ella Ø entfernt, brauchte es einige Zeit, um dort hinzukommen, denn wir durften in den schmalen Fjorden nicht schneller als max 5 Knoten = 9km/h fahren.
Zum Glück können wir in diesem Fall nur sagen, denn die Aussicht von den Decks war einfach nur umwerfend. Ein paar ganz persönliche Worte dazu:
Diese Gegend ist so unglaublich schön, es macht einen sprachlos und ehrfürchtig zugleich. Mit eigenen Augen zu sehen, was Mutter Natur in Milliarden von Jahren geschaffen hat, betrachten wir als ein ganz großes Privileg. Wir sind UNENDLICH DANKBAR dafür, das wir die Möglichkeit haben an Plätze wie diesen zu reisen.
Die Blomsterbugten liegt nur wenige Kilometer entfernt von Ella Ø. Ihren Namen verdankt sie der erstaunlich reichen Vegetation, die sich hier während des kurzen arktischen Sommers entfaltet. Vielleicht sollten wir sagen: entfaltet hat. Denn der Sommer neigt sich bereits stark dem Ende zu. Deshalb ist von dieser tollen Vegetation leider nicht mehr viel zu sehen. Den Experten zufolge war vor 2-3 Wochen noch alles in voller Blüte. Aber das Ende kommt für die „Blümchen“ in diesen harschen klimatischen Bedingungen sehr schnell. Wir haben unser Bestes gegeben, um zumindest ein paar Eindrücke zu sammeln.
Sowohl auf Ella Ø als auch rund um die Blomsterbugten lassen sich Moschusochsen, Polarfüchse und verschiedene Seevögel beobachten. In den Fjorden schwimmen Robben und gelegentlich Wale, die von den nährstoffreichen Gewässern profitieren, sagt man.
Abgesehen von einem Moschusochsen in weiter Ferne haben wir auch heute wieder kein Glück mit Tiersichtungen gehabt. Wobei das eigentlich für die ganze Reise gilt. Weitere Möglichkeiten wird es vermutlich auch nicht geben, denn wir sagen Grönland morgen Mittag Adieu und machen uns auf dem Weg nach Island.

