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Tag 8-2, Wali, Pentecost Island

Der zweite Stop heute war das kleine, traditionelle Dorf Wali auf der Insel Pentecost Island.

Die Insel gehört zur Provinz Penama und ist geprägt von dichter tropischer Vegetation und steilen Berghängen. Wali liegt abseits größerer Siedlungen und ist nur über einfache Wege, per Boot, oder wie in unserem Fall via Zodiac erreichbar.
Das Leben in Wali ist eng mit der Natur verbunden. Die Dorfbewohner bauen Nahrungsmittel wie Yams, Taro, Bananen, Maniok und Kokosnüsse selbst an. Fischfang ergänzt die Versorgung, da viele Dörfer in Küstennähe liegen. Der Alltag folgt traditionellen Riten wie wir später noch erleben sollten.
Wie schon auf den Inseln vorher, gab es auch hier eine nasse Anlandung an einem kleinen Strand. Dort wurden wir bereits von der mehrköpfigen Dorfband mit Musik empfangen.
Es folgte wie immer bisher das Willkommensritual mit dem Austausch von Geschenken zwischen dem Chief des Stammes und unserem Kapitän.

 

Wie auf Ambrym ist auch auf Pentecost Island die sogenannte „Kastom"-Kultur, also das Bewahren und Leben traditioneller Bräuche, sowie eine stark ausgeprägten kulturelle Identität ein zentrales Element des Lebens.

In Orten wie Wali werden diese Werte von Generation zu Generation weitergegeben. Dazu gehören Zeremonien, soziale Regeln und ein starkes Gemeinschaftsgefühl, in dem auch die Autorität lokaler Chiefs eine wichtige Rolle spielt.

All das haben wir bei den vorherigen Destinationen schon gelernt und erfahren. Warum also ausgerechnet ein kleines Dorf wie Wali mitten im Südpazifischen „Dschungel“?? Die Antwort ist fast schon unglaublich. Wir hätten es auch nicht geglaubt, wenn wir es nicht mit eigenen Augen gesehen hätten.

Wali ist inzwischen international bekannt für das spektakuläre Ritual des Land Diving („Naghol"). Dabei springen Männer von 20 - 30 Meter hohen, aus Holz gebauten wackeligen Türmen mit Lianen an den Füßen in die Tiefe. Aber warum tun sie das?

Sie folgen damit einem alten Brauch, der auf einer Legende basiert:

Der Überlieferung nach wurde vor langer Zeit eine Frau von einem Mann bedrängt und lief vor ihm davon. Der Mann verfolgte sie, doch sie kletterte blitzschnell auf einen Baum um sich zu retten. Doch der Mann blieb hartnäckig und schickte sich ebenfalls an, auf den Baum zu steigen. Daraufhin band die Frau sich lange Lianen um die Knöchel und stürzte sich todesmutig in die Tiefe. Der Mann sprang sofort hinterher, doch er war nicht von Lianen gesichert und starb, während die Frau, dank ihres Einfallsreichtums,

Ihr zu Ehren findet seither jedes Jahr von April bis Ende Juni das berühmte „Landdiving“ oder auch Turmspringen statt, bei dem sich die mutigsten Bewohner der Insel Pentecost von bis zu 30 Meter hohen Türmen aus Holz stürzen und erst knapp vor dem Aufprall am Boden von den starken Lianenseilen aufgefangen werden.

Mit dem modernen Bungee-Jumping hat dieser Sport nur wenig zu tun, denn anders als das elastische Gummiseil, das moderne Bungeejumper verwenden, sind die Lianen deutlich härter und federn die Stürze weniger sanft ab. Die Springer müssen also gehörigen Mut und auch Körperspannung mitbringen, um diese Stürze unbeschadet zu überstehen.

Anders als viele glauben, ist das Gol kein Initiationsritual für junge Männer und es ist auch keine Mutprobe, sondern ein Spiel, bei dem es keine Verlierer gibt. Wer sich traut, springt, wer nicht, der schaut zu. Dabei springen alte Männer genauso beherzt von den hohen oder tieferen Plattformen wie die Jungen – eine besondere Reihenfolge oder Rangordnung gibt es nicht. Und: Frauen nehmen in der Regel nicht am Springen teil, anders als es die Legende erzählt. Sie stehen unten und feuern die Männer mit rhythmischen Tänzen und Gesängen an.

Bei der Vorführung für uns sind insgesamt 7 Männer und ein 8-jähriger Junge gesprungen. Für den Jungen war es sein erster Sprung. Die Springer absolvieren dieses Ritual mit großem Stolz und ohne für uns sichtbare Angst. Als Geschöpf aus der sogenannten zivilisierten westlichen Welt bleibt einem bei jedem Sprung fast der Atem stehen.

 

Nach Ende dieser „Performance“ ging es mit den Zodiacs wieder zurück zum Schiff. Unser Bedarf an Nervenkitzel war zumindest für heute erst einmal gedeckt.